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Archiv für November 2012

Wenn ein Koloss fällt und ein ganzes System zum Schwanken bringt…

Freitag, 16. November 2012

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Rund 50.000 Menschen in Deutschland waren schätzungsweise von der bis damals größten Insolvenz einer Investmentbank betroffen. Sie läutete am 15. September 2008 eine weltweite Finanzkrise ein. Auf 50 bis 75 Mrd. US-Dollar wurde der volkswirtschaftliche Schaden geschätzt: die Lehman Brothers Pleite. Der damalige CEO verteidigte sich mit den Worten: „Die meisten unserer Produkte sind auf Wunsch unserer Kunden entstanden, um Risiken abzusichern“. Nun vier Jahre später sind die Klagewellen und Berichterstattungen abgeschwollen. Wir fragen uns: Besteht noch Hoffnung für Geschädigte, die bisher keinen Schadensersatz bekommen bzw. verlangt haben?

Wie die Altersvorsorge innerhalb weniger Tage verschwand

Wie hoch die Verluste der deutschen Anleger waren, lässt sich bis heute nicht genau beziffern. Man geht allerdings von einer hohen dreistelligen Millionensumme aus. Viele hatten ihr Erspartes in Lehman Brothers Aktien Zertifikate als Altersvorsorge investiert. Hauptsächlich wurden diese von der Dresdner Bank (jetzt Commerzbank), der Citibank (Targo) und der Haspa vertrieben. Seitdem gab es einige Urteile anfangs zugunsten der Anleger, später zugunsten der Banken.

2009 gab es erste Gerichtsverhandlungen. Das Landgericht Hamburg verurteilte die Haspa auf Schadensersatz, da sie nicht ihren Aufklärungspflichten nachgekommen sei und Interessenskonflikte nicht offen dargelegt hätte (Aktenzeichen 310 O 4/09). Dieses Urteil wurde später vom OLG widerrufen (Aktenzeichen 13 U 118/09) und später vom Bundesgerichtshof (BGH) bestätigt (Aktenzeichen XI ZR 259/11, XI ZR 316/11, XI ZR 355/11, XI ZR 356/11). Demnach urteilte der BGH, dass die Haspa nicht die Pflicht hatte, das Vergütungssystem beim Vertrieb der Zertifikate offenzulegen. Eine Insolvenz war außerdem nach der Meinung des Gerichts damals nicht absehbar. Verbraucherschützer nannten dieses Urteil einen „Schlag ins Gesicht der Lehman-Geschädigten“.

Anleger greifen nach ihren Rechten

Doch heute dürften die meisten Klagen ausgehandelt sein. Zertifikate haben bei Schadensersatzansprüchen lediglich eine Verjährungsfrist von drei Jahren ab Kauf. Diese Frist ist für die Lehman-Geschädigten zwar vorüber. Trotzdem, so betonen einige Kanzleien, kann es sinnvoll sein, über eine Klage nachzudenken, denn diese Frist gilt nicht bei § 37a WpHG. Dieser Paragraf ist anwendbar, falls die Bank Provisionen (Kick-Backs) verschwiegen hat, der Berater später eine Halteempfehlung abgegeben hat oder der Kauf telefonisch erfolgte. Bei Letzterem kann bei einer fehlenden Aufklärung über das Widerrufsrecht auch der Kauf heute noch angefochten werden. Jeder Fall in sich ist ein Einzelfall und somit einmalig. Eine generelle Handlungsempfehlung gibt es nicht. Deshalb kann in diesen Fällen nur ein Anwalt weiterhelfen.

 
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