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"Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
02.11.2009, 15:10
Beitrag: #1
"Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
Vielen Dank für den Hinweis der Administration zu meinem ersten Versuch. Ich war schon mal hier, vor langer Zeit, hatte das aber alles vergessen.

Guten Tag zusammen,

die Suchmaschine XXX produziert unzusammenhängende Listen von Links, deren Ziele inhaltlich oder sogar durch Autorenschaft mit Privatpersonen in Verbindung zu bringen sind. Die Begründung für die Aufforderung zur "Löschung", b.z.w. zukünftigen Ausschluss solcher Daten, könnte wie folgt lauten:
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Eine unzusammenhängende Liste von nicht näher bezeichneten Fundstellen von Texten pauschal einer Person zuzuordnen, weil ihr Name oder sogar ihre Autorenschaft im Zusammenhang mit einigen oder allen in Verbindung gebracht wird, erzeugt normalerweise einen verzerrten, in jedem Falle einen unzutreffenden oder sogar grob verfälschenden Eindruck von dieser Person, ihren Interessen, Vorlieben, einer inneren Einstellung, etc.
--------------------------------------------
Die erwartete Antwort von Seiten der Anbieter solcher "Dienstleistungen" ist normalerweise: Alle Inhalte sind sowieso öffentlich zugänglich. Das ist alles "rechtens".

Das sind aber zwei verschiedene Dinge. Das Produkt einer dieser konkreten Firmen ist eine einzige, konkrete Liste. Diese eine, konkrete Liste ist ohne Einwilligung der Personen mit realen Namen überschrieben. Die Liste ist sogar das Produkt, mit dem die Firma Geld verdient. Freilich bietet die Firma allen Personen an, ihr eigenes Profil zu speichern.

Vielleicht könnte ein selbst gepflegtes Profil ja zukünftig helfen, der Willkür einer beliebigen Suchmaschine mit konkreten und korrigierenden Einträgen zu begegnen (was kaum zu glauben wäre)?

Frage: Habe ich "Recht"?

Kann man rechtlich gegen diese Form fremdgesteuerter Charakterisierung von Privatpersonen vorgehen, wenn ein Anbieter sich erst einmal weigert, der Löschung und dem zukünftigen Ausschluss von Daten aus ihrem Bestand zuzustimmen?

Sogar die WayBack-Machine hat zugestimmt, einzelne Urheber von Web-Inhalten zukünftig zu ignorieren und hat alte Erzeugnisse aus ihrem Datenbestand (soweit nachprüfbar) entfernt, wenn auch erst nach Diskussion. Und das sind Amerikaner!

Wenn niemand einen Einfluss auf die Präsentation seiner "Online-Identität" hat, müssen sich wohl alle aus dem Internet fernhalten. Zumindest kann die Argumentation der Suchmaschinenbetreiber kaum noch anders begriffen werden.

Bitte. Es geht nicht um die Auflistung von Schutzmechanismen und Technologien zur Anonymisierung und so weiter. Es geht um "hinterher" und ganz normalen Menschenverstand. Ganz ohne Technologie. Wie früher.

Danke im Voraus.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung sondern die persönliche Autorenmeinung.
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02.11.2009, 17:57
Beitrag: #2
RE: "Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
Hallo Phob,

schön, dass Sie jetzt auch mit einem Beitrag hier vertreten sind. Die Problematik ist überaus interessant und hängt auch damit zusammen, ob das Internet das "vergessen" lernen muss. Wahrscheinlich sind Personensuchmaschinen gemeint, die von Nutzern mehr oder weniger Profile abbilden. Teilweise ist es "erschreckend" was für Zusammenhänge da auftauchen, das habe ich letztens sogar selber festgestellt, da darüber sogar herauszufinden ist, welche Personen andere Leute kennen. Gerade für Personalleiter dürften diese Maschinen ein gefundenes Fressen sein um sich einen Grobüberblick zu verschaffen...

Allerdings gibt es auch etwas Gegenwehr gegen diese Praktiken. Insofern lohnt sich mal ein Blick auf das Urteil des Landgericht Köln http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/koeln/...90617.html . In diesem war über eine Personensuchmaschine z.B. das Bild einer Person auffindbar. Das Gericht hat entschieden, dass eine solche Veröffentlichung nicht zulässig ist. Das macht schon einmal Mut!

Insofern wird deutlich, dass die Betreiber sich nicht grundsätzlich darauf stützen können, die Informationen seien öffentlich zugänglich. Das Bild war es auch - trotzdem führt das nicht zu einer "Entrechtung". Vielmehr sind die datenschutzrechtlichen Bestimmungen und auch die Urheberrechte zu achten. Auch der wesentliche Unterschied zu normalen Suchmaschinen wie z.B. Google wird ja deutlich: Es geht nicht um die lockere Aneinanderreihung von Ergebnissen, es werden richtige Profile gebildet. Das geht über die unspezifische Auflistung von Google weit hinaus. Aus Sicht des Datenschutzes sind diese Probleme längst noch nicht geklärt. Ich halte es aber rechtlich für stark bedenklich, wenn Informationen derart gebündelt werden. Es müsste sich lediglich mal jemand trauen und gegen den Betreiber einer solchen Suchmaschine vorgehen und eine gerichtliche Entscheidung erzwingen.

Ich würde mal zu behaupten wagen, dass das Geschäftsmodell derartiger Plattformen auf mehr als wackeligen Füßen steht.

Beste Grüße,
Tristan
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04.11.2009, 11:04
Beitrag: #3
RE: "Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
Herzlichen Dank für die Antwort, Tristan.

Ich habe eine von zwei verschiedenen Reaktionen auf meinen Beitrag vorausgesehen:
1.) Es gibt Präzedenzfälle. Daraus ergibt sich, dass "Abziehbilder" (gefälligst) nicht mit realen Personen zu identifizieren sein dürfen.
2.) Es gibt Präzedenzfälle. Daraus ergibt sich, dass die Suchmaschinen-Leute im Recht sind.

;-) Jetzt stehe ich ein bisschen dumm da. Der Punkt mit "es müsste sich mal jemand trauen" hinterlässt mir ein mulmiges Gefühl im Bauch. Bisher trauen sich nur Leute, die anderenorts und weit weg von hier als "lower life-forms" bezeichnet wurden, gegen den Anstand zu verstoßen, wo sich ihnen kein Hindernis in den Weg stellt.

Freilich erscheint mir (dem Laien) die Einschätzung realistisch; über die Aussichten, mit einer veritablen Klage Erfolg zu erzielen, muss ich mich dann noch mal mit jemandem unterhalten.
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04.11.2009, 11:10
Beitrag: #4
RE: "Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
Hallo Phob,

nun, das ist sozusagen das Risiko unseres Rechtssystems. Es gibt vielerlei Gerichte in Deutschland und jedes ist grundsätzlich erst einmal unabhängig. Insofern können auch unterschiedliche Entscheidungen ergehen, die mal dem einen oder mal dem anderen Recht geben. Manchmal unterscheiden sich die Fälle ja auch nur um Nuancen, was für Nichtjuristen nicht gleich einleuchtend macht warum in einem "gleichen" Fall ganz anders entschieden wird.

Irgendwann wird sich allerdings auch der Bundesgerichtshof (BGH) mal einer dieser Fragen annehmen. Dann sind die anderen Gerichte an diese Entscheidung gebunden. Bis dahin ist es natürlich noch ein längerer Weg und man geht natürlich ein gewisses Risiko ein. Insofern hängt die Durchsetzung des eigenen Rechts mal wieder davon ab, wer den längeren Atem und notwenige Kapital hat, um den Prozess zu finanzieren - es sei denn man ist rechtschutzversichert...

Hast Du eventuell ein Urteil zur Hand, dass den Suchmaschinenbetreibern Recht gibt? Das würde mich einmal interessieren.

Beste Grüße,
Tristan
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04.11.2009, 11:22
Beitrag: #5
RE: "Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
(04.11.2009 11:10)Tristan schrieb:  Hast Du eventuell ein Urteil zur Hand, dass den Suchmaschinenbetreibern Recht gibt? Das würde mich einmal interessieren.

Ich bin schon überaus geehrt durch den Titel "Hobby-Rechtler". Keine Sorge, ich habe weder von der Materie eigentlich eine Ahnung, noch Kenntnis von entsprechenden Urteilen.

Allerdings ... -Oops! Beinahe-. Allerdings *gäbe* mir die schlichte Antwort *eines solchen* Suchmaschinenbetreibers ("... sowieso alles online einsehbar") die Hoffnung, dass es ihm nicht besser als mir geht und man ihn nur bissi stubsen muss, damit er fällt. ;-)
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04.11.2009, 13:29
Beitrag: #6
RE: "Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
Ich wollte auch mal kurz was dazu schreiben. Eigentlich bin ich ja der meinung, dass derjenige, der was von sich ins internet stellt auch damit rechnen muss das diese gefunden werden. Das ganze internet funktioniert ja nur über suchmaschinen... wieso löscht mann dann nicht einfach seine Inhalte aus den foren etc.? Wenn es die nicht mehr gibt kann auch keine suchmaschine die mehr finden.
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04.11.2009, 13:41
Beitrag: #7
RE: "Personenbezogene Suchergebnisse": Suchmaschinen produzieren beliebige Verweislisten
(04.11.2009 13:29)meriodo schrieb:  Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass derjenige, der was von sich ins Internet stellt, auch damit rechnen muss das diese [Inhalte] gefunden werden.

Damit rechnen wir alle.
Nach einigen Jahren wird auch recht viel gefunden. Ein Mensch besteht aber nicht aus seiner Vorliebe für LCD-Bildschirme einer Herstellermarke. Ich bestehe zum Teil aus Usenet-Beiträgen und Web-Seiten, die ich seit Anfang der 90er Jahre verfasst und veröffentlicht habe.

Noch nicht einmal das reicht aus, einen Menschen zu charakterisieren! Soviel muss klar sein, sonst brauchen wir nicht weiter zu diskutieren.

Also weiter:

Diese Suchmaschinen produzieren etwas. Sie stellen etwas her, das es vorher nicht gegeben hat. Das machen sie, indem sie auf 1 Seite eine Liste anzeigen von irgendwelchen ... Sachen. Darüber steht der Name eines Menschen.

Ich behaupte: Diesen Menschen gibt es nicht. Jemand, der aber nach mir im Internet suchte (Konjunktiv 2), bekäme (dto.) die Auskunft: So sieht er aus.

Und das wäre nicht korrekt, wahrscheinlich sogar eine faustdicke Lüge (d.h. Unwahrheit sagen wider besseres Wissen).

Ich dürfte mich dagegen wehren, oder?

(Jetzt musste ich den Beitrag schon zweimal ändern, weil mir so warm geworden ist. Vielleicht ist das Problem ein ganz anderes und es erledigt sich erst nach dem Ende der Wohlstands- und Konsumrevolten in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts. Wir werden das nicht klären können, darum steige ich an dieser Stelle aus.)

Vielen Dank für die Reaktionen!
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