Wie hoch ist der Pflichtteil? (Erbrecht)

Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils gemäß ¬ß 2303 II BGB. Kinder des Erblassers z.B. erben nach der gesetzlichen Erbfolge als Erben erster Ordnung gemeinsam zu gleichen Teilen. Wird also ein Kind enterbt, erbt dieses lediglich die Hälfte seines gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteil ist herabzusetzen, wenn der Erblasser dem Pflichtteilsberechtigten gegenüber bereits zu Lebzeiten Zuwendungen erbracht hat und bestimmt hat, dass diese auf den Pflichtteil anzurechnen sind.

Besteht die Erbschaft weitestgehend aus einem Grundstück oder einem Unternehmen, sind die Erben häufig gezwungen, die Vermögenswerte zu veräußern, um den Pflichtteil auslösen zu können. Um dies zu umgehen, sieht das Gesetz in ¬ß 2331a BGB die Möglichkeit einer Stundung des Pflichtteilsanspruchs vor. Hiernach kann der Erbe, der selbst zum Personenkreis der Pflichtteilsberechtigten gehört, die Stundung verlangen, wenn er bei sofortiger Erfüllung des Anspruches zur Veräußerung der Familienwohnung oder eines Wirtschaftsgutes gezwungen wäre, das die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Familie bildet und die Stundung bei Abwägung aller Interessen dem Pflichtteilsberechtigten zumutbar ist. Hieraus ergibt sich also, dass lediglich die Erben einen Anspruch auf eine solche Stundung haben, die selbst pflichtteilsberechtigt wären und dies auch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die voraussichtlich zum 01. Januar 2010 in Kraft tretende Erbrechtsreform sieht vor, den Kreis der Erben, die einen solchen Stundungsanspruch haben sollen, auf alle Erben zu erweitern. Die Interessen des Pflichtteilsberechtigten sind hierbei angemessen zu berücksichtigen, die Zumutbarkeitsgrenze wird somit etwas entschärft.

(tw) vom 20.07.2009