Muss ich Flugverspätungen über mehrere Stunden ohne Entschädigung der Airline hinnehmen?

Ersatz von Schäden wegen Flugverspätung

Nein. Bei Flugverspätungen haben Sie zunächst ein Recht darauf, dass Ihnen die Airline den durch die Verspätung entstandenen Schaden ersetzt (z.B. durch eine Übernachtung oder das Verpassen von Anschlussflügen). Jedoch werden nur Schäden bis zu einem Betrag von ca. 4300 Euro (Stand: 9. Juli 2008) ersetzt. Kann die Fluggesellschaft allerdings nachweisen, dass Sie die Verspätung nicht zu verschulden hat, entfällt der Anspruch.
Zudem können Sie sich den Flugpreis erstatten lassen, wenn Sie diesen nun nicht mehr antreten wollen. Außerdem können Sie Versorgungsleistungen (z.B. Mahlzeiten, Erfrischungen, Hotelübernachtungen) von der Airline verlangen. Die Airline ist verpflichtet Sie über diese Rechte genau aufzuklären. Fordern Sie also im Falle des Falles diese Informationen an!

Pauschale Ausgleichszahlung

Zudem hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass neben dem tatsächlich entstandenen Schaden auch eine Entschädigung zu zahlen ist. Dieser ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen. Demnach können Fluggäste eine pauschale Entschädigung von 250 bis 600 Euro verlangen, wenn der Flug mindestens 3 Stunden zu spät ist und nicht auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht (EuGH, vom 19.11.2009, Az.: C-402/07 und C-432/07). Ein technischer Mangel am Flugzeug ist dabei grundsätzlich als nicht außergewöhnlich einzustufen.

Bei Pauschalreisen: Minderung

Sollten Sie als Pauschalreisender unterwegs sein, so können Sie bereits ab einer Verspätung von vier Stunden den Reisepreis mindern. Ab der begonnenen fünften Stunde können Urlauber dann für jede begonnene Stunde 5% des Tagesreisepreises mindern. Jedoch kann insgesamt nicht mehr als 20% des gesamten Reisepreises gemindert werden. Das folgt aus der Frankfurter Tabelle. Ein Rücktritt von der gesamten Reise ist aber auch nach fünfstündiger Verspätung nicht möglich, wie der Bundesgerichtshof urteilte, "da die Verordnung unmittelbar nur Ansprüche gegen das ausführende Luftfahrtunternehmen, nicht aber gegen den Reiseveranstalter begründet. Ihre Erstattungsregelung bei Verspätungen ab fünf Stunden sei auf reine Luftbeförderungsverträge zugeschnitten. Da Pauschalreisen komplexe Leistungen des Reiseveranstalters zum Gegenstand hätten, komme einer Flugverspätung dort nicht zwangsläufig das gleiche Gewicht zu. Dafür, ob der Reisende sich aus dem gesamten Reisevertrag lösen könne, sei vielmehr maßgeblich, ob die Reise erheblich beeinträchtigt und die Kündigung des Reisevertrages deshalb gerechtfertigt sei." (Bundesgerichtshof, 07.10.2008, Az.: X ZR 37/08). Das wird in der Regel nicht der Fall sein.

Tipps zur Durchsetzung von Ansprüchen gegen die Fluggesellschaft

Da die Durchsetzung der eigenen Rechte gegenüber großen Unternehmen manchmal nicht gerade leicht ist, haben sich Serviceportale gebildet, die Flugreisenden helfen. Die Preisgestaltung der Portale ist dabei unterschiedlich. Es empfielt sich ein genauer Vergleich und ein Portal heranzuziehen, wo Sie nur bezahlen müssen, wenn Sie auch Erfolg mit Ihrem Entschädigungsanspruch haben.

(tw) vom 20.11.2009

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