Darf mein Nachbar Tiere halten? Wie viel Lärm muss ich dulden?

Hält jemand Tiere, so muss er stets darauf achten, dass die Nachbarn und sonstige betroffene Personen dadurch nicht gestört oder belästigt werden. Spielt sich dies in Miet- und Eigentumswohnanlagen ab, so wird die Tierhaltung stets von der jeweiligen Hausordnung geregelt. Kleintiere sind in Mietwohnungen jedoch generell erlaubt.
“Eine Klausel, die Erlaubnis zur Tierhaltung auf nur wenige Kleintierarten beschränkt, ist ungültig“, entschied der Bundesgerichtshof (Az.: VIII ZR 340/06). Fühlt sich jemand stark von Bienen belästigt, so hat dieser nicht das Recht die Bienen zu töten, da diese sehr wahrscheinlich einem Imker gehören. Denn ist die Bienenzucht ortsüblich, als Beispiel in ländlichen Gegenden, muss der Nachbar die Bienen dulden. Wohingegen die Bienenhaltung in reinen Wohngebieten ortsunüblich ist und dies dadurch gerichtlich sogar verboten werden kann. Dies gilt besonders für die Bienenhaltung in der Nähe von Kindergärten, Schulen und Spielplätzen.
Freilaufende Hühner muss der Nachbar auf seinem Grundstück generell nicht dulden. Er darf sie jedoch nicht verletzen, sondern sollte sie einfach „verjagen“. In ländlichen Gebieten können die Hühnerhaltung - und damit das freie Herumlaufen von Hühnern jedoch als ortsüblich gelten, was das Maß an Toleranz wieder anhebt. Nachbarn, die sich zum Hobby Hühner in reinen Wohngebieten züchten, dürfen laut Oberverwaltungsgericht Münster jedoch nur einen krähenden Hahn halten und nicht vier (Oberverwaltungsgericht Münster, Az.: 10 E 434/01). Es gab sogar andere Gerichte, die Zeiten festlegten in denen Hähne schalldicht wegzusperren sind. Doch niemand kann die Haltung von Tieren im Garten absolut verbieten, da Tiere ebenso zum typischen Gebrauch eines Grundstücks gehören und für uns eben „normal“ sind. In Wohneigentumsanlagen aber kann eine Tierhaltung von der Eigentümergemeinschaft verboten oder eingeschränkt werden. Eine Ausnahme ist z.B. die „Kleintierhaltung“ – vom Meerschweinchen bis zu „Nemo“. Gelten gesetzliche Grenzwerte letztlich nicht als überschritten, ist der Lärm „unwesentlich“ und muss toleriert werden. Der Hahn im Dorf darf also krähen.
Das Gebell von Hunden muss der Nachbar während den Ruhezeiten, also während der Mittags- und Nachtruhe nicht hinnehmen. Hundegebell darf pro Tag die
Grenze von 30 – 60 Minuten nicht überschreiten. Bevor man sich jedoch für die Klage entscheidet sollte man notwendige „Lärmprotokolle“ anfertigen, worin sämtliche Störungen mitsamt Datum, Uhrzeit und Dauer der Lärmerzeugung unter Benennung der Zeugen festgehalten werden.

vom 13.07.2008

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