Schlechtes Praktikumszeugnis: Was dagegen tun?

Grundsätzlich hat jeder Praktikant Anspruch auf Erteilung eines Zeugnisses.
So ist ebenso der Inhalt eines solchen Zeugnisses in § 16 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) festgeschrieben, der generell die Vergabe von Zeugnissen ausführlich regelt.
In den Arbeitsverhältnissen, in denen die Arbeitspflicht gegenüber dem Ausbildungscharakter überwiegt, untersteht das Praktikum zwar nicht mehr § 26 BBiG; in diesem Fall ist jedoch als Arbeitsverhältnis zu betrachten und untersteht folglich dem allgemeinen Arbeitsrecht.

Hat der Praktikant folglich einen Anspruch auf ein Praktikumszeugnis, stehen ihm ebenso allgemeine Berichtigungsmöglichkeiten zu.
So hat der Praktikant grundsätzlich die Möglichkeit der Berichtigung in Form einer Klage nachzugehen.
Es gilt hierbei schließlich auch der "Grundsatz der Wahrheitspflicht".

Man muss hier jedoch klar differenzieren:
Geht es um die Beschreibung von den dem Praktikanten übertragen Aufgaben oder die Dauer des Arbeitsverhältnisses, so hat der Praktikant hier die Beweispflicht. Er muss nachweisen können, welche Aufgaben ihm für welche Dauer aufgetragen wurden.
Streiten Arbeitgeber und Praktikant über die "Richtigkeit" einer erteilten Schlussnote, so ist hier relevant, ob der Praktikant durchschnittlich oder unterdurchschnittlich beurteilt wurde. Hierbei muss der Arbeitgeber wiederum der Rechtfertigung nachkommen, warum er den Praktikanten gerade unterdurchschnittlich bewertete.
Verlangt der Praktikant jedoch eine überdurchschnittliche Bewertung, muss dieser die erforderlichen Tatsachen vortragen und entsprechend beweisen. Hierbei ist nicht ausreichend, dass der Arbeitgeber die Arbeitsleistung während des Praktikums nicht beanstandet hat.

Es bietet sich aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, dass in vielen Fällen lediglich eine Durchschnittlichkeit ermittelt wird, dem Praktikanten geraten, zunächst die erteilten Bewertungen im Betrieb mit dem Fachanwalt zu analysieren und die Erfolgsaussichten genauestens zu prüfen.
Da der Arbeitgeber jedoch aus solchen Zeugnisstreitigkeiten keinerlei finanziellen Vorteil zieht, ist er bei guter "außergerichtlicher" Verhandlungsführung sehr häufig dazu bereit, einzulenken.

vom 14.02.2009