Welche Versicherungen gibt es für Privatpiloten?

Fliegen ist immer mit einem besonderen Risiko verbunden und es kann bei einem Zwischenfall sehr schnell sehr teuer werden. Daher stellt sich die Frage, welche Versicherungen für einen Privatpiloten nötig sind. Grundsätzlich ist zwischen Haftpflicht- und Kaskoversicherungen zu unterscheiden. Haftpflichtversicherungen decken nur den Schaden, der bei fremden Personen oder Sachen entsteht. Die Kaskoversicherung deckt hingegen Schäden an eigenen Gütern, wie zum Beispiel dem eigenen Flugzeug.

• Halter-Haftpflichtversicherung
Jeder Halter eines Flugzeuges ist nach § 43 Luftverkehrsgesetz (LuftVG) dazu verpflichtet eine Haftpflichtversicherung für sein Flugzeug abzuschließen - so wie auch beim Auto eine Haftpflichtversicherung nötig ist, um mit diesem am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Halterhaftpflicht umfasst allerdings nur Schäden, die außerhalb des Flugzeuges eintreten. Also beispielsweise wenn bei einer Außenlandung ein Flurschaden eintritt oder ein Kind in den Propeller des Flugzeuges läuft. Die Grunddeckungssume richtet sich nach dem maximalen Abfluggeweicht des Flugzeuges (MTOW) und beträgt mindestens 3.000.000 €.

• Passagier-Haftpflichtversicherung
Da die Halter-Haftpflichtversicherung nur Schäden erfasst, die außerhalb des Flugzeuges eingetreten sind, gibt es zusätzlich die Passagier-Haftpflichtversicherung. Diese Versicherung deckt die Ansprüche, die die Passagiere bei Verletzungen oder beschädigtem Gepäck geltend machen können. Die Passagierhaftpflichtversicherung ist seit 2004 nunmehr für jeden Flug vorgeschrieben, bei dem mit den Passagieren ein Beförderungsvertrag abgeschlossen wurde. Dieser muss nicht schriftlich sein und liegt schon bei einem Rundflug gegen Entgelt vor.

• CSL Versicherung
Die CSL Versicherung ("Combined Single Limit"-Versicherung) ist eine Versicherung, die die Halterhaftpflicht mit der Passagierhaftpflichtversicherung kombiniert. Daher muss nur eine Versicherung abgeschlossen werden, die dann durch eine einheitliche Deckungssumme umfassenden Schutz gewährt. Der Vorteil liegt darin, dass die Versicherungssumme aus der Summe der Einzelversicherungssummen besteht. Dadurch gibt es eine insgesamt höhere Deckungssumme. Kommt es zum Schaden, so zahlt die Versicherung bis zur gesamten Versicherungssumme - egal ob der Schaden in den Rahmen der Passagierhaftlicht- oder Halterhaftpflicht gefallen ist. Daher ist diese Versicherung deutlich flexibler. Zudem sind in manchen Ländern wie Dänemark und Österreich höhere Deckungssummen vorgeschrieben, die in der CSL Versicherung meist in einer Zusatzklausel mitversichert sind.

• Luftfahrt Kaskoversicherung
Die Luftfahrt-Kaskoversicherung ersetzt die Schäden, die am Flugzeug selbst auftreten. Dabei sind alle Gefahren versichert, denen das Flugzeug ausgesetzt ist, es sei denn dass der Flugzeugführer vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat. Ersetzt werden die Schäden bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme. Bei einem Totalverlust wird grundsätzlich der Zeitwert ersetzt. Das bedeutet dass der Betrag gezahlt wird, der nötig ist, um das Flugzeug am Markt wieder zu beschaffen. Für die Höhe der Prämien ist in der Regel entscheidend, wie erfahren der Pilot ist und ob er bereits Schäden verursacht hat. Der Geltungsbereich kann auf Europa oder die ganze Welt bezogen werden.

• Sitzplatz-Unfallversicherung
Die Sitzplatz-Unfallversicherung ist eine besondere Unfallversicherung, die für den Passagier oder Piloten abgeschlossen wird. Sie ist nötig, da in den meisten Unfallversicherungen die Haftung für Flugunfälle ausgeschlossen ist. Diese Versicherung kommt für Schäden des Versicherten auf, die beim Betrieb oder dem Ein- und Aussteigen des Flugzeuges entstehen. Die Versicherung existiert in zwei Varianten. Als Platzsystem und Pauschalsystem. Beim Platzsystem ist die Versicherung an das Luftfahrzeug gebunden. Jedem Sitzplatz wird eine Versicherungssumme zugeteilt und die Unfallversicherung leistet unabhängig von einem Verschulden des Piloten für Unfälle. Beim Pauschalsystem wird eine pauschale Versicherungssumme festgesetzt, die im Schadensfall aufgeteilt wird.

• sonstige Versicherungen
Neben diesen gewöhnlichen Versicherungen hat die Versicherungsbranche auch zahlreiche weitere Versicherungen auf Lager: So gibt es beispielsweise eine Triebwerksversicherung, die interne Schäden am Flugzeugmotor deckt. Ferner gibt es eine Elektronik-Versicherung, die die zumeist teure Avionik z.B. gegen Kurzschlüsse oder Feuchtigkeit versichert. Auch gibt es eine subsidiäre Haftpflichtversicherung, wenn man selber fremde Flugzeuge chartert. Diese springt dann ein, wenn die Versicherung des Vercharterers nicht zahlt oder deren Deckungssummen erreicht sind und Ansprüche gegen den Piloten persönliche geltend gemacht werden. Schließlich bleiben Rechtschutzversicherungen zu nennen, die bei Rechtstreitigkeiten die meist hohen Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen.

(tw) vom 16.11.2008