Muss der Lehrer mir meinen momentanen Leistungsstand / Noten sagen?

Als Schüler möchte man manchmal schon vor der Zeugnisausgabe wissen, mit welcher Note zu rechnen ist und ob man sich entspannt zurücklehnen kann oder härter arbeiten muss. Und wer kennt sie nicht, die Standardausreden des Lehrkörpers: "Jetzt habe ich keine Zeit", "Ich darf keine Auskunft geben", "Sechs Wochen vor Zeugnisausgabe geht das nicht mehr".

Tatsächlich ist der Lehrer jedoch nach allen gängigen Schulgesetzen und Schulordnungen zur Erteilung einer Auskunft über den Leistungsstand des Schülers diesem gegenüber verpflichtet. So steht es zum Beispiel im § 32 Abs. 2 Nr. 3 des Hamburger Schulgesetzes: "Die Schulleitung sowie die Lehrkräfte informieren und beraten die Erziehungsberechtigten und Schülerinnen und Schüler in angemessenem Umfang [...] über die Leistungsbeurteilung [...]". Die Schulordnung des Landes Thüringen findet in seinem § 3 Abs. 2 Nr. 4 noch deutlichere Worte: "Der Schüler hat das Recht, entsprechend seinem Alter und seiner Funktion innerhalb seiner Schule [...] Auskunft über seinen Leistungsstand und Beratung zu erhalten [...]". Weitere Bundesländer haben entsprechende Gesetze erlassen.
Freilich ist damit noch nicht gesagt, in welchem Umfang und Form der Lehrer dem Schüler die Auskunft geben muss. Hier hat er eine gewisse Freiheit. In den meisten Fällen ist er jedoch dazu verpflichtet, dem Schüler seine Bewertungsmaßstäbe und Kriterien der Leistungsbeurteilung zu erläutern (so z.B. ausdrücklich im § 47 Abs. 4 Nr. 2 Berliner Schulgesetz).

Eine Einschränkung ist jedoch zu beachten: Der Lehrer ist nicht zu einer Auskunft über die zukünftige Zeugnisnote verpflichtet, weil er einfach nicht in der Lage dazu ist, eine solche Information zu erteilen (es sei denn, er verfügt über hellseherische Fähigkeiten). Die Endnote wird erst auf der Zeugniskonferenz festgelegt und kann unterschiedlichsten Einflüssen unterliegen, die der Lehrer noch nicht kennt und berücksichtigen kann.

Jedenfalls muss sich der Schüler aber nicht mit der Ausrede einer anstehenden Zeugniskonferenz abfinden, und ein gesetzestreuer Lehrer sollte das Auskunftsrecht des Schülers achten.

(tw) vom 18.05.2009

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