Kann ich bei Mängeln den Urlaub abbrechen?

Ja, bei gravierenden Mängeln können sie gemäß § 651e BGB die Reise kündigen. Entscheidend ist, ob es ihnen noch zumutbar ist die weitere Reise fortzusetzen (OLG Frankfurt, 2.2.2006 Az.: 1692/05). So hat das Amtsgericht Frankfurt entschieden, dass eine Familie den Urlaub kündigen durfte, da ihre siebenjährige Tochter sich durch einen Fehler an der Wasserrutsche beide Schneidezähne ausgeschlagen hatte und in Deutschland behandelt werden musste (AG Frankfurt, 1.6.2006, Az.: 31 C 3491/05-44). Ein Anhaltspunkt dafür, ob ein gravierender Mangel vorliegt, ist der Minderungsbetrag, den sie geltend machen können. Können Sie die Reise um mindestens 50% mindern liegt in der Regel ein erheblicher Mangel vor (LG Düsseldorf, 22.2.2007, Az.: 22 S 380/05). So berechtigt beispielsweise erheblicher Lärm wegen Hotelumbauarbeiten dazu die Reise abzubrechen.
Allerdings müssen sie dem Reiseveranstalter zunächst erfolglos eine angemessene Frist zur Abhilfe der Menge gesetzt haben. Nur wenn eine Abhilfe ausnahmsweise nicht möglich ist, kann auf die Fristsetzung verzichtet werden. So hatte das Oberlandesgericht Köln einen Fall zu entscheiden, bei dem nach der Tsunamikatastrophe das Hotel überflutet war und deswegen den Gästen nicht weiter zur Verfügung gestellt werden konnte. Das Gericht entschied, dass hier eine Frist nicht gesetzt werden musste (OLG Köln, 7.6.2006, Az.: 16 O. 24/06).
Die Kündigung bedarf keiner Form und keiner Begründung. Aus Beweisgründen empfiehlt es sich aber, diese schriftlich einzureichen.
Haben Sie die Reise gekündigt, so verliert der Reiseveranstalter seinen Anspruch auf die Reisepreiszahlung. Er hat ihnen dann die bereits geleisteten Zahlungen zurückzugewähren. Allerdings erhält er im Gegenzug eine Entschädigung für bereits erbrachte Reiseleistungen.

(tw) vom 20.07.2008

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