Grobe Fahrlässigkeit - muss die Versicherung trotzdem zahlen?

"Alles oder nichts" - so war es früher der Fall. Die Ansprüche gegenüber dem Versicherer erloschen gänzlich, sobald einem "grobe Fahrlässigkeit" - nachgewiesen werden konnte. Grob fahrlässig handelte dabei derjenige, der die im Verkehr erforderliche Sorgfalt im gröbsten Maße außer Acht ließ. Man blieb folglich alleine auf den Kosten sitzen. Wer zum Beispiel die Terrassentür offen stehen ließ und es zu einem Einbruch kam, ging früher leer aus.

Dies hat sich durch die Novellierung des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) zum 01.01.2008 grundlegend geändert:
Seit dem 01. Januar 2008 kommt es nun jedoch auf die Entscheidung im Einzelfall an, ob Geld fließt oder nicht - und wenn ja, wie viel.
Je mehr einem der Vorwurf der groben Fahrlässigkeit zu machen ist, umso weniger Geld bekommt man von der Versicherung - je weniger "grob fahrlässig" man handelt, umso mehr bekommt man. Lässt man z.B. die vordere Haustür offen, so ist es für einen Einbrecher risikoreicher und gefährlicher dort einzusteigen. Man handelt also weniger grob fahrlässig. Wenn man die Tür jedoch hinterm Haus offen lässt, ist es für einen Einbrecher umso leichter den Coup zu landen - man handelte in größerem Maße grob fahrlässig, da der Dieb hier schließlich ungesehen eintreten kann. So macht das neue VVG den Schutz des Versicherungsnehmers bei grober Fahrlässigkeit vom Grad des Verschuldens abhängig; der Versicherungsschutz erlischt nicht mehr automatisch.
Doch wie misst man nun die genaue Höhe der Schuld?
Hier gibt es leider noch keinen Katalog oder ähnliches. So müssen die Versicherer selbst abwägen bzw. die Gerichte letztlich selbst entscheiden, wie hoch die Schuld im Einzelfall ist.
Einzelfälle wie das Fahren mit mehreren Promille werden jedoch weiterhin strikt begutachtet, wobei der Versicherte nach wie vor wohl kaum mit Geld im Schadensfall rechnen darf.

vom 15.12.2008

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