Reh auf Fahrbahn ausgewichen - zahlt die Versicherung?

Ob die Kfz-Versicherung zahlt, wenn man Tieren auf der Fahrbahn ausweicht und dabei sein Fahrzeug beschädigt, hängt zunächst davon ab, ob derartige Wildtierunfälle von der Kfz-Versicherung abgedeckt sind.

Die herkömmlichen Versicherungsleistungen der Teilkaskoversicherung umfassen jedenfalls Unfälle mit Haarwild (Reh, Hase oder Kaninchen). Unfälle mit sogenanntem Federwild wie Fasan, Taube oder Rebhuhn erstattet die Kfz-Versicherung nicht. Es wird daher immer dazu geraten die eigenen Versicherungsunterlagen durchzusehen und mit der Kfz-Versicherung zu sprechen, ob ein derartiger Unfall erfasst ist.
Voraussetzung ist aber immer, dass der Fahrer das Ausweichen für geboten halten durfte, um einen größeren Schaden zu vermeiden. Nicht nötig ist hingegen, dass der Fahrer das Tier und sich selber retten wollte. Die Kfz-Versicherung muss also auch zahlen, wenn der Fahrer nur aus Reflex gehandelt hat (Oberlandesgericht Köln, 11.10.2005, Az.: 9 U 34/05).

Der Versicherte ist übrigens immer verpflichtet den Wildunfall der Kfz-Versicherung nachzuweisen. Daher ist in der Regel für die Regulierung mit der Kfz-Versicherung eine sogenannte Wildschadensbescheinigung nötig. Diese wird von der Polizei oder dem Jagdpächter ausgestellt.

Einen Fall, in dem die Kfz-Versicherung versuchte sich der Zahlung zu entziehen hatte das Landgericht Frankfurt am Main zu entscheiden. Im dem Fall wich der Autofahrer einem Reh aus, kam von der Landstraße ab und kollidierte anschließend mit einem Baum. Seine Kfz-Versicherung wollte trotz Totalschaden lediglich den Glassschaden ersetzen, da forderte er gerichtlich den gesamten Schaden. Die Kfz-Versicherung argumentierte, dass „es hätte sich auch um einen Elch handeln können“. Das wäre vom Versicherungsschutz nicht erfasst gewesen. Dieses wies das Gericht mit der Begründung zurück, dass Elche für gewöhnlich in Deutschland nicht anzutreffen seien. So gab das Gericht dem Autofahrer recht (Landgericht Frankfurt am Main, 21.12.2005, Az.: 2-23 O 301/05).

(tw) vom 10.12.2009

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