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Müssen Unternehmen Absagen von Bewerbungen begründen?

Fast jeder hat es schon erlebt, ob beim Start ins Berufsleben oder mitten in der Karriere: sorgfältig wurde die Bewerbungsmappe zusammengestellt, verschiedene Unternehmen angeschrieben, vielleicht Bewerbungstermine wahrgenommen und dennoch landet eine Absage nach der anderen im Briefkasten oder im Emailpostfach. Vor allem nach einer Vielzahl von Ablehnungen steigt dabei die Frustration und man würde gerne wissen, was der Grund für die Absage ist, könnte doch der Kritikpunkt eventuell in Zukunft vermieden werden. Jedoch enthalten die Schreiben selten den Grund für die Ablehnung; vielmehr werden oft standardisierte Textbausteine verwendet, die mit blumigen Worten die Absage umschreiben.

Allerdings besteht auf eine ausführliche Begründung kein Rechtsanspruch insoweit, als dass dem Bewerber eine Auskunft über die Auswahlentscheidung des Arbeitgebers erteilt werden müsste. Ausdrücklich ist ein solcher gesetzlich nicht festgelegt, und auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass kein Anspruch auf Auskunft etwa darüber besteht, ob der Arbeitgeber am Ende des Einstellungsverfahrens einen anderen Bewerber eingestellt hat (Urteil vom 19.04.2012, C-415/10).

Rechtslage bei Absagen von Bewerbungen generell

Diese Entscheidung ist im Zusammenhang mit einer eventuellen Diskriminierung des abgelehnten Bewerbers zu sehen: denn § 15 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) sieht vor, dass der Arbeitgeber denjenigen Schaden zu ersetzen hat, der durch einen Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot entstanden ist. Eine Benachteiligung kann insbesondere in der Ablehnung eines Bewerbers um eine offene Stelle aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität liegen. Da der potentielle Arbeitgeber dies aber kaum offen in seiner Absage darstellen wird, sieht das Gesetz vor, dass der Arbeitgeber die Beweislast einer Diskriminierung trägt, soweit lediglich Indizien einer Benachteiligung vorliegen.
Solche Indizien sieht der EuGH nunmehr auch darin, wenn der Arbeitgeber jeden Zugang zu Information über das Bewerbungsverfahren verweigert, was im Einzelfall festgestellt werden muss (zur Indizwirkung handschriftlicher Bemerkungen in den zurückgesandten Bewerbungsunterlagen siehe Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 06.06.2013, 11 Sa 335/13).

Eine erwiesene Diskriminierung führt zwar grundsätzlich nicht dazu, dass der benachteiligte Bewerber eingestellt werden müsste; diese Rechtsfolge wird gesetzlich ausgeschlossen. Allerdings sieht das AGG vor, dass eine angemessene Geldentschädigung verlangt werden kann. Zudem können etwa die Bewerbungskosten gefordert werden. Grundsätzlich zu erstatten sind indes, unabhängig von einer Diskriminierung, Kosten für ein etwaiges Vorstellungsgespräch, also insbesondere Fahrtkosten, falls keine anderweitigen Vereinbarungen im Vorfeld getroffen wurden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Initiativbewerbung.com.