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Unfall in der Probezeit: Muss ich zum Aufbauseminar / Nachschulung?

Nein, der Besuch bei einem Aufbauseminar ist nicht bei jedem Unfall die Folge. Es kommt natürlich darauf an, wer die Schuld an dem Unfall trägt. Ist es es jedoch der Fall, dass der Proband für den Unfall verantwortlich ist und findet der Unfall innerhalb der Probezeit statt, so ist die Teilnahme an einem Aufbauseminar angezeigt. Dies richtet sich nach § 2 StVG. Danach ordnet die Fahrerlaubnisbehörde die Teilnahme an, wenn es zu einer rechtskräftigen Entscheidung wegen einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit kommt, die in das Verkehrszentralregister einzutragen ist (d.h. mindestens Bußgeldbescheid; ab € 40,-) und der Inhaber der Fahrerlaubnis im Rahmen der Straftat oder Ordnungswidrigkeit gemäß der Anlage zu § 12 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) eine schwerwiegende (A-Verstoß) oder zwei weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen (B-Verstöße) begangen hat.

Zu den typischen A-Verstößen zählen:
* Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort § 142 StGB
* Nötigung
* Gegen das Rechtsfahrgebot beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit mit Gefährdung anderer
* Mit zu hoher, nicht angepaßter Geschwindigkeit gefahren trotz Gefahrenstelle, Unübersichtlichkeit, Straßenkreuzungen, Einmündungen, Bahnübergängen oder bei schlechten Sicht- oder Wetterverhältnissen
* Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
* Erforderlichen Abstand zu vorausfahrendem Fahrzeug nicht eingehalten (bei Geschwindigkeit > als 80 km/h)
* Außerhalb geschlossener Ortschaften rechts überholt
* Vorfahrt nicht beachtet und dadurch einen anderen gefährdet
* Abgebogen, ohne Fahrzeug durchfahren zu lassen und dadurch einen anderen gefährdet
* Beim Linksabbiegen nicht voreinander abgebogen und dadurch einen anderen gefährdet
* Über Rote Ampel fahren
* Stop-Schild nicht beachtet
* Beim Rechtsabbiegen mit Grünpfeil vor dem Abbiegen nicht angehalten
* Mit mehr Blutalkoholkonzentration als 0,0 Promille Auto gefahren

Zu den typischen B-Verstößen zählen:
* Alle Ordnungswidrigkeiten, die mit mindestens € 40,- Geldbuße oder einem Fahrverbot belegt sind und die nicht zu den A-Verstößen gehören. Verwarnungen gehören allerdings nicht dazu.

Liegen also ein A-Verstoß oder zwei B-Verstöße vor, so muss der Fahranfänger an einem Aufbauseminar teilnehmen. Zusätzlich wird die Probezeit um weitere zwei Jahre verlängert.