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Muss mich auch ein unabhängiger Anlageberater auf Provisionen hinweisen?

Wenn jemand einen Anlageberater aufsucht, will er rentable Vorschläge, wie er sein Geld am besten anlegen soll. Man erwartet hier eine sach- und fachkundige Beratung, die gute Renditen für das Geld erbringen soll. Im Gegensatz zur Meinung zum bankgebundenen Berater jedoch, bei welchem man davon ausgeht, dass eine in erster Linie neutrale Beratung erfolgt, entspricht es jedoch wohl auch dem Kenntnisstand der Allgemeinheit, dass derartige ungebundene Anlageberater von den Anbietern der Geldanlagen Provisionen oder Ähnliches erhalten; andernfalls würden sich solche Geschäfte wohl kaum lohnen, was auch der Anleger weiß. Der Anleger erwartet daher im Normalfall geradezu, dass der freie Berater für seine Empfehlungen eine Provision erhält. Daher geht auch der Bundesgerichtshof davon aus, dass ein freier, nicht an eine bestimmte Bank gebundener Anlageberater im Grundsatz seine Kunden nicht über Provisionszahlungen informieren muss (vgl. Bundesgerichtshof, 09.03.2011, Az. XI ZR 191/10). Klärt der nicht an eine Bank gebundene Berater über die Provisionen nicht auf, macht er sich daher nicht schadensersatzpflichtig. Ob diese Differenzierung zwischen bankgebundenen und freien Anlageberatern freilich Bestand haben wird, erscheint im Hinblick auf die daraus folgende Privilegierung des freien Anlageberaters fraglich (vgl. Oberlandesgericht Düsseldorf, 18.11.2010, Az. I-6 U 39/10, 6 U 39/10). Weitere Entscheidungen des Bundesgerichtshofes bleiben abzuwarten.