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Erben auch nichteheliche Kinder etwas?

Noch immer ist der Glaube, dass nichteheliche Kinder gegenüber ihren ehelichen Halbgeschwistern benachteiligt sind, weit verbreitet. Ein häufiger Irrtum dabei ist, dass angenommen wird, dass nichteheliche Kinder im Fall des Todes ihres Vaters oder ihrer Mutter nicht erben. Dabei bleibt allerdings außer Betracht, dass sich die Gesetzgebung seit der Mitte des letzten Jahrhunderts in diesem Bereich erheblich weiterentwickelt hat. Während früher der Status als nichteheliches Kind tatsächlich Nachteile nach sich ziehen konnte, ist heute eine Benachteiligung zumindest im Hinblick auf das Erbrecht prinzipiell ausgeschlossen. Eine Ausnahme gilt aufgrund des Gangs der Gesetzgebung allein für solche Kinder, die vor dem 1.7.1949 geboren wurden, wenn der entsprechende Erblasser zugleich vor dem 29.5.2009 verstorben ist; diese bleiben von der gesetzlichen Erbfolge weiterhin grundsätzlich ausgeschlossen.

Auch nichteheliche Kinder erben

Für alle anderen gelten indes die allgemeinen Regeln. Im Grundsatz erben die Nachkommen des Erblassers nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) neben dessen etwaigem Ehegatten zu gleichen Teilen, so dass ein nichteheliches Kind genauso viel erhält wie sein eheliches Halbgeschwister. Hinterlässt der Erblasser etwa einen Ehegatten, mit dem er im gesetzlichen Güterstand, der Zugewinngemeinschaft, lebte, und zwei Kinder, erhält der Ehegatte vorbehaltlich anderweitiger Regelungen die Hälfte seines Vermögens, die Kinder jeweils ein Viertel. Dieser Grundsatz kann den Erblasser indes nicht davon abhalten, mittels einer so genannten Verfügung von Todes wegen, etwa einem Testament, andere Regelungen für den Fall seines Ablebens zu treffen. So kann er etwa sein eheliches Kind, aber auch genauso gut das Nichteheliche, zum Alleinerben einsetzen. Dem jeweils anderen bleibt in solchen Fällen der so genannte Pflichtteilsanspruch gegen den Erben. Dieser beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Im obigen Beispielsfall könnte der Pflichtteilsberechtigte also ein Achtel des Vermögens des Erblassers vom Alleinerben beanspruchen. Zu beachten bleibt bei derartigen Sachverhalten jedoch stets, dass man nur am Vermögen derjenigen Person partizipiert, mit der man auch verwandt ist. Ein Recht auf das Vermögen des Ehegatten des Erblassers beispielsweise hat man nicht ohne weiteres.