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Muss ich für ein Tier haften, auch wenn ich nicht sein Halter bin?

Auch jemand, der nicht selbst der Tierhalter ist, also das wirtschaftliche Risiko für das Tier trägt, muss unter Umständen dafür haften, dass ein Tier Personen- oder Vermögensschaden oder gar den Tod eines anderen verursacht. Es muss sich in diesem Schaden allerdings die typische Gefahr verwirklichen, die der Haltung eines Tieres innewohnt, also beispielsweise Bisswunden durch Hunde oder zerkratzte Möbel durch Katzen.
Eine solche Haftung kommt nämlich unter Umständen dann in Betracht, wenn einer Person durch den Tierhalter vertraglich die Aufsicht über ein Tier übertragen wurde. Beispiele können hier Hirten, Viehtreiber, aber auch die Mieter eines Pferdes sein, welchen das Tier zum selbstständigen Ausritt übergeben wurde (Bundesgerichtshof, 30.09.1986, Az. VI ZR 161/85).
Hier gelten jedoch ebenfalls die Ausschlussgründe, die die Haftung des Tierhalters selbst beschränken: hat der Aufseher die verkehrsübliche Sorgfalt eingehalten oder wäre der Schaden auch bei deren Beachtung eingetreten, muss er nicht haften. Ist also beispielsweise ein Hund ordnungsgemäß angeleint und beißt sich unverhofft los, entfällt die Haftung, wenn er einen anderen verletzt. Zu beachten ist, dass diese Ausschlussgründe nur Anwendung finden bei Nutztieren, die dem Lebensunterhalt oder dem Beruf des Halters dienen, also beispielsweise Zirkustiere oder Wachhunde. Für die so genannten „Luxustiere“, unter die auch zum Beispiel die ganz normale Hauskatze fällt, muss hingegen stets gehaftet werden, unabhängig davon, ob der Aufsichtsperson ein Verschulden trifft.

Anzumerken ist hier, dass der Halter des Tieres, das den Schaden verursacht hat, und die Aufsichtsperson als so genannte Gesamtschuldner haften; der Geschädigte kann sich an jeden der beiden zur Erfüllung seiner Forderung halten. Zahlt einer der Schuldner den kompletten Betrag, hat er einen Ausgleichsanspruch gegen den jeweils anderen.