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Schlafender Hund – muss ich zahlen wenn jemand über ihn stolpert?

Dass man schlafende Hunde besser nicht wecken soll, weiß schon der Volksmund. Dass aber selbst für schlafende Hunde gehaftet werden muss, hat nun das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden (Urteil vom 15.2.2013, Az. 19 U 96/12). Grundsätzlich hat der Halter eines Tieres selbstverständlich für Handlungen seines Tieres zu haften. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) hält dafür eine eigene Anspruchsgrundlage bereit. Danach hat der Tierhalter demjenigen, der durch ein Tier verletzt wird oder dessen Sachen durch das Tier beschädigt werden, den entstandenen Schaden zu ersetzen. Dabei ist es nicht Voraussetzung, dass der Halter die Verletzung verschuldet hat, etwa indem er das Tier unsachgemäß anleint oder zu einem Angriff reizt. Lediglich dann, wenn es sich bei dem Tier um ein Haustier handelt, das der Erwerbstätigkeit seines Halters dient, etwa Polizei- oder Wachhunde, haftet der Halter nur dann, wenn er das Tier nicht mit derjenigen Sorgfalt beaufsichtigt hat, die im Verkehr üblich ist, er also etwa einen bissigen Hund ohne Maulkorb frei herumlaufen lässt, oder der Schaden sich auch zugetragen hätte, wenn der Halter diese Sorgfalt eingehalten hätte.
Erfasst sind hier indes nur die so genannten tiertypischen Gefahren, die daraus resultieren, dass Tiere vom Menschen nicht komplett steuerbar und ihren Instinkten unterworfen sind. Eine solche Gefahr hat das OLG Hamm im vorliegenden Fall gerade bejaht: der Hund der Tierhalterin, der Angestellten eines Unternehmens, lag so im Eingangsbereich des Ladenlokals, dass eine Kundin unversehens über den schlafenden und reglosen Hund stolperte. Das Gericht sah darin eine Verwirklichung des typischen Verhaltens von Tieren, die sich unabhängig von menschlichen Einflüssen aus eigenem Entschluss zum Schlafen niederlassen. Die Angestellte musste daher für die unglückliche Schlafposition ihres Vierbeiners haften.