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Folgen der Aschewolke? (Kündigung, Lohnkürzung, Kosten, Wartezeiten)

Das Chaos der Aschewolke hat nicht nur für die deutsche Wirtschaft verheerende Folgen, sondern gerade auch für die betroffenen Urlauber und Arbeitnehmer.
Flugverspätungen bis hin zu immensen Flugstornierungen, Hotel- und Aufenthaltskosten im In-und Ausland, tagelange Aufenthalte auf Flughäfen, geplatzte Geschäftstermine und die daraus resultierende unfreiwillige Abwesenheit am Arbeitsplatz sind nur ein Teil der Folgen dieser Naturkatastrophe.

Doch welche Rechte hat man? Wer kommt für die Kosten auf? Kann es sogar zur Kündigung seitens des Arbeitgebers kommen?

Flugstornierung / Flugverspätung

Naturkatastrophen und damit auch der Vulkanausbruch sind ein klassischer Fall von „höherer Gewalt“, für die kein Flugunternehmen oder Reiseveranstalter haftbar gemacht werden kann. Dies heißt jedoch nicht, dass Fluggäste bzw. Urlauber keine Rechte diesbezüglich haben und auf allen Kosten sitzen bleiben müssen.

Ist der Flug aufgrund der Sperrung des Luftraums ausgefallen, so ist die Fluggesellschaft dazu verpflichtet, den Ticketpreis inklusive Gebühren zurückzuerstatten; mit Gutscheinen muss man sich nicht zufrieden geben. Wird den Betroffenen ein Ersatzflug zu einem späteren Termin angeboten, so können diese frei wählen, ob sie den Flug wahrnehmen; verpflichtet sind sie dazu nicht. Kann die Fluggesellschaft keinen Alternativflug anbieten, so ist sie zur Rückzahlung des Ticketpreises verpflichtet.

Steht der Flug endlich an und man ist trotzdem dazu gezwungen Stunden auf den Abflug zu warten, so muss die Fluggesellschaft die wartenden Passagiere ab einer Flugverschiebung von mindestens zwei Stunden kostenlos betreuen. Diesen stehen Erfrischungen und Mahlzeiten, sowie zwei Telefongespräche, Telex, Fax oder E-Mails zu. Verzögert sich der Abflug um mehr als fünf Stunden können die Passagiere auf den Flug verzichten und sich den Ticketpreis auszahlen lassen. Startet das Flugzeug erst am nächsten Tag, so hat man einen Anspruch auf Hotelübernachtung und die damit verbundene Fahrt dorthin. Eine Ausnahme liegt jedoch vor, wenn es sich um eine Fluggesellschaft handelt, die ihren Sitz nicht in der EU hat, und man von einem Flughafen außerhalb der EU nach Europa fliegt.

Der (Pauschal-)Urlaub

Sowohl der Urlauber, als auch der Reiseveranstalter können eine Pauschalreise aufgrund höherer Gewalt kündigen. Vor Reiseantritt kann eine Reise aufgrund der Sperrung des Luftraums storniert werden, wenn sich die Reise zu einem späteren Zeitpunkt für den Reisenden nicht mehr lohnt (z.B. bei Kurzreisen). In einem solchen Fall hat der Reisende einen Anspruch auf Erstattung des Reisepreises.

Das Recht zur Kündigung des Urlaubs ist auch dann möglich, wenn der Reisende den Urlaub bereits angetreten hat. Wird hierdurch die Rückreise teurer, so ist man zur Beteiligung an der Hälfte der Kosten verpflichtet.

Ist der Reisende aufgrund der höheren Gewalt dazu verpflichtet, den Urlaub unfreiwillig zu verlängern, hat er keinen Anspruch auf Übernahme der zusätzlichen Kosten (Verpflegung und Unterkunft).

Die Folgen für den Arbeitnehmer

Arbeitnehmer haben nach der Urlaubsbewilligung seitens des Arbeitgebers keinen Anspruch darauf, diesen aufgrund höherer Gewalt (z.B. aufgrund der Aschewolke) zu verschieben. Die Urlaubspläne können lediglich mit Einverständnis des Arbeitgebers geändert werden. Wurde der Urlaubsantrag noch nicht bewilligt, so hat der Arbeitnehmer jedoch die Möglichkeit diesen zurückzuziehen, solange ihn der Chef noch nicht „abgesegnet“ hat.

Der Arbeitgeber hat bei einer verspäteten Rückkehr aus dem Urlaub zwei Möglichkeiten: Entweder kürzt er das Urlaubskonto diesbezüglich oder behält den Lohn entsprechend der Anzahl der Fehltage ein. Das Gesetz sieht zwar bei vorübergehender kurzzeitiger Verhinderung des Arbeitnehmers vor, dass dieser einen Anspruch auf Lohnfortzahlung hat; dies ist im Falle des Vulkanausbruchs jedoch wohl nicht der Fall. Der Arbeitnehmer sollte auf alle Fälle unverzüglich nach Eintritt des Ereignisses den Arbeitgeber dahingehend benachrichtigen.

Der Arbeitgeber hat jedoch aufgrund der Naturkatastrophe nicht das Recht, den betroffenen Arbeitnehmer zu kündigen. Der Vulkanausbruch ist ein Fall höherer Gewalt; eine Kündigung aufgrund dessen wäre somit nicht rechtens.