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Muss die Krankenkasse Fettabsaugen bezahlen?

Kaum ein Mensch ist mit sich zufrieden. Dem einen gefallen seine Zähne nicht, der andere hat Probleme mit seinen Haaren. Häufiges Manko ist indes Übergewicht. Der einfachste Weg zur Lösung dieses Problems bietet heutzutage natürlich eine Fettabsaugung. Derartige Eingriffe sind allerdings nicht ungefährlich, daneben sind sie auch sehr teuer, so dass viele sich die Operation nicht leisten können. Ob die Kosten für solche Operationen von der Krankenkasse zu tragen sind, hatte nun das Hessische Landessozialgericht (LSG) zu klären mit dem Ergebnis, dass die Krankenkasse jedenfalls bei einer medizinischen Indikation und Notwendigkeit des Eingriffs für diesen aufkommen muss (Hessisches LSG, 5.2.2013, L 1 KR 391/12).
Im Fall ging es dabei um eine Krankenkassenpatientin mit einem Lipödem, umgangssprachlich so genannten Reiterhosen, die diese entfernen lassen wollte. Das LSG gab der Klägerin hier recht. Es handele sich um eine Krankheit, die auch stationär behandlungsbedürftig sei, weil dies aus medizinischen Gründen notwendig sei. Auch die angewandte Behandlungsmethode entspreche der ärztlichen Kunst; eine weitere ambulante Behandlung sei nicht weiter Erfolg versprechend.
Allerdings bleibt hier zu beachten, dass es sich letztlich um eine Entscheidung im Einzelfall handelt. Entscheidend ist, ob es sich im konkreten Fall tatsächlich um eine Krankheit im Sinne des Sozialgesetzbuches handelt. Eine solche liegt nach Ansicht des Gerichts vor, regelwidriger, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand gegeben ist, der ärztlicher Behandlung bedarf oder den Betroffenen arbeitsunfähig macht. Damit werden gleichzeitig rein kosmetische Behandlungen von einer Ersatzpflicht der Krankenkassen ausgeschlossen. Inwieweit hier die Abgrenzung vorzunehmen ist, wird regelmäßig ein fachkundiger Gutachter beantworten müssen.