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Bahnstreik: Gibt es Entschädigung? Welche Rechte habe ich?

Wird bei der Bahn im Nah- und Fernverkehr gestreikt, so hat das meist erhebliche Auswirkungen. Es kommt zu einer Vielzahl an Verspätungen oder auch Zugausfällen. Reisende müssen häufig auf andere Verkehrsmittel ausweichen.

Gibt es Entschädigung?

Seit dem 29.07.2009 ist ein neues Gesetz in Kraft, das dem Fahrgast eine Entschädigung bei Zugverspätungen zuspricht. Kommt der Zugreisende mit einer Verspätung von 60 Minuten am Zielort an, so muss die Bahn ihm eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Dabei muss der Kunde sich nicht wie früher auf Gutscheine vertrösten lassen, die Entschädigung ist auf Wunsch auch in bar zu zahlen. Liegt die Verspätung sogar bei zwei Stunden, so sind 50 Prozent zu zahlen. Diese Entschädigungen sind übrigens auch dann fällig, wenn der Bahnreisende seinen eigentlichen Zug wegen der Verspätung nicht mehr erreichen kann. Führt die Verspätung sogar dazu, dass der Bahnreisende mitten in der Nacht auf einem Bahnhof festsitzt, so ist die Bahn weiterhin dazu verpflichtet, auch die Übernachtungskosten am Ort zu tragen.

Sollten die Verspätungen oder Zugausfälle allerdings auf Umständen beruhen, die „außerhalb des Eisenbahnbetriebs“ liegen oder aus dem „Verhalten eines Dritten, das von der Eisenbahn nicht vermieden bzw. abgewendet werden konnte“ resultieren, scheidet ein Anspruch auf Entschädigung aus. Die Bahn beruft sich teilweise darauf, dass Streiks damit einen Fall von höherer Gewalt sind und Ersatansprüche ausscheiden müssen. Diese Frage ist von den Gerichten noch nicht endgültig geklärt. Es lohnt sich aber, seine Ansprüche geltend zu machen.

Um an die Entschädigung zu kommen, hat die Bahn bereits ein Formular zur Verfügung gestellt, in dem die Forderungen angemeldet werden können (http://www.bahn.de/fahrgastrechte). Wem das Formular zu kompliziert ist, der kann selbstverständlich auch einen Brief an die Bahn schicken, auch diese Anträge müssen bearbeitet werden.

Kann ich das Bahnticket bei Streik zurückgeben?

Wer seine Fahrt wegen des Bahnstreiks nicht antreten kann, der kann sein Bahnticket zurückgeben. Ist nur der Nahverkehr betroffen, so sollten Sie die Beförderungsbedingungen des Nahverkehrverbundes hinsichtlich einer Erstattungsmöglichkeit prüfen.

Was ist bei Sparangeboten mit Zugbindung?

Wurde ein Sparangebot mit Zugbindung gebucht, so ist das Ticket nur auf der jeweiligen Zugverbindung gültig. Fällt diese aus, weil gestreikt wird, so darf der Reisende einen anderen Zug nehmen, auch wenn dieser eigentlich teurer wäre. Gibt es keine anderen Verbindungen, so kann das Ticket auch zurückgegeben werden.