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Strafantrag und Strafanzeige – was ist der Unterschied?

Strafantrag und -anzeige sind, trotz des ähnlichen Wortlauts, zwei völlig verschiedene
Rechtsinstitute.

Mit dem Begriff „Strafanzeige“ auf der einen Seite ist die bloße Mitteilung eines Sachverhalts
an die Strafverfolgungsbehörden gemeint. Die Behörden sollen dadurch Kenntnis von
Delikten erlangen, um diese dann auch verfolgen zu können. Jeder Bürger kann eine solche
Strafanzeige bei der Polizei, Staatsanwaltschaft oder bei Gericht einreichen, wenn er davon
überzeugt ist, dass aufgrund eines Vorkommnisses eine Straftat vorliegt. Die Strafanzeige ist
als reine Tatsachenmitteilung unwiderruflich.

Anders verhält es sich beim Strafantrag. Grundsätzlich wird die Staatsanwaltschaft als die
Behörde, die für die Strafverfolgung zuständig ist, von Amts wegen tätig. Die Straftaten, bei
welchen dies der Fall ist, werden Offizialdelikte genannt, beispielsweise Mord, Raub oder
Betrug. Jedoch existieren vor allem auf dem Gebiet der Bagatellkriminalität Straftaten, die
nur verfolgt werden, wenn der Verletzte auch einen Antrag stellt, den Strafantrag. Diese
Straftaten heißen Antragsdelikte. Wichtiges Beispiel ist der Hausfriedensbruch. Bei diesen
Straftaten wird die Staatsanwaltschaft, wenn kein Strafantrag gestellt ist, nicht tätig, auch
wenn eine Straftat offensichtlich vorliegt.

Jedoch sind auch hiervon wiederum Ausnahmen zu machen: bei sog. eingeschränkten
Antragsdelikten wie beispielsweise der Körperverletzung kann eine Strafverfolgung
stattfinden, wenn ein besonderes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung durch die
Staatsanwaltschaft bejaht wird, auch wenn kein Antrag vorliegt. Das öffentliche Interesse
ersetzt dann den Strafantrag.