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Besteht Anwaltspflicht bei Scheidung?

Grundsätzlich besteht ein so genannter Anwaltszwang vor Zivilgerichten in Deutschland nur vor dem Landgericht und höheren Instanzen. Im Gegensatz dazu findet die Scheidungsverhandlung zwar vor den Familiengerichten, speziellen Abteilungen der Amtsgerichte, statt. Wegen der häufig großen Bedeutung des Scheidungsverfahrens für die Beteiligten und der weit reichenden Auswirkungen sieht das Gesetz allerdings gerade für die Scheidung die Notwendigkeit eines Anwalts vor. So können Scheidungsanträge nur von Anwälten eingereicht werden. Jedoch braucht im Gegenzug der Ehegatte, der den Scheidungsantrag nicht gestellt hat und bei dem nur dessen Zustimmung in der Verhandlung von Belang ist, nicht zwingend einen Anwalt. Bestehen aber weitere Fragen, wie beispielsweise Streitigkeiten hinsichtlich des zu zahlenden Unterhalts oder des Sorgerechts für die Kinder, muss auch der Ehegatte, der den Scheidungsantrag nicht selbst gestellt hat, einen Anwalt beauftragen.

Zudem bietet sich die Beauftragung eines Anwalts in vielen Fällen an: wenn es bei der Scheidung um hohe Vermögenswerte geht, hat der Anwalt sowohl die Erfahrung als auch die nötigen Instrumente, um etwaige Ansprüche durchzusetzen. Zum anderen sind besonders Scheidungen häufig von den Emotionen der Beteiligten überlagert, so dass es sich anbietet, die Verhandlungen einem neutralen Dritten anzuvertrauen, der sich ohne Voreingenommenheit um die Belange kümmert.