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Darf ich gegen einen Stalker handgreiflich werden?

Bei Stalker gelten hinsichtlich der Methoden, mit denen man sich wehren kann, keine
anderen Regeln als bei den übrigen Straftaten. Daher ist ein Vorgehen gegen einen
Stalker auch meist nur in den Fällen möglich, in welchen das Opfer auf Grund der so
genannten Notwehr oder des Notstands gerechtfertigt ist.
Ob die Voraussetzungen dieser Rechtfertigungsgründe vorliegen, muss nach dem
jeweiligen Einzelfall beurteilt werden.
Für die Notwehr ist zunächst das Vorliegen eines gegenwärtigen, rechtswidrigen
Angriffs notwendig. Bricht der Täter in die Wohnung ein oder bedroht er das Opfer
körperlich, ist ein solcher zumeist gegeben; anders kann es sich verhalten, wenn der
Täter beispielsweise lediglich Waren an das Opfers senden lässt oder ständig beim
Opfer anruft, auch wenn diese Handlungen durchaus nervenzermürbend sein können.
Meist problematisch wird allerdings sein, dass die eigene Verteidigungsmaßnahme,
also beispielsweise Schläge, auch erforderlich sein muss. Dies ist dann der Fall, wenn
die Maßnahme das mildeste zur Verfügung stehende Mittel darstellt, das eine sofortige
Beendigung des Angriffs verspricht. Hier werden direkte körperliche Maßnahmen in
Form von Schlägen oder auch Waffengebrauch oft ausscheiden: es wird in den
meisten Fällen mildere Mittel geben, wie zum Beispiel ein einfacher Verweis der
Wohnung.

Der rechtfertigende Notstand hat grundsätzlich ähnliche Voraussetzungen;
Unterschied ist hier nur, dass statt eines Angriffs eine „Gefahr“ vorliegen muss. Dieser
Begriff ist weiter gefasst und kann so auch für andere Sachverhalte gelten. Allerdings
wird auch hier gefordert, dass kein milderes Mittel zur Gefahrenabwehr zur
Verfügung steht, was häufig der Fall sein wird.