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Haften Eltern beim Skiunfall des Kindes?

Grundsätzlich haftet bei der Kollision zweier Skifahrer derjenige, der sich nicht ordnungsgemäß verhalten hat. Die Grundnorm dafür ist § 823 BGB. Entscheidend ist, ob ein Verstoß gegen die Verkehrspflichten auf der Skipiste vorliegt. Dazu werden die Regeln des Internationalen Skiverbandes herangezogen, die mit der Straßenverkehrsordnung zu vergleichen sind. Diese FIS-Regeln gelten auch für Minderjährige. Ein junger Skifahrer stieß dabei mit einer Skifahrerin zusammen, die vor ihm nach links schwenkte, um zum Lift zu gelangen. Der Junge fuhr Schuss und bemerkte die Fahrerin zu spät, sodass er nicht mehr ausweichen konnte. Das LG Ravensburg beschuldigte den Jungen, sich nicht an die FIS-Regeln gehalten zu haben und sprach der verletzten Skifahrerin die Kosten für die Arztbehandundlung und ein Schmerzensgeld zu (LG Ravensburg, Az.: 2 O 392/06). Grundsätzlich hat nämlich der von oben kommende Skifahrer auf den Vordermann Rücksicht zu nehmen.

Haftung des Kindes nur bei Einsichtsfähigkeit

Grundsätzlich muss für die Kosten das Kind selbst aufkommen. Die Eltern selbst können in der Regel nicht in Anspruch genommen werden, auch wenn in der Praxis freilich die Eltern die Schulden ihrer Kinder begleichen. Entscheidend ist aber immer, dass das Kind auch bereits verschuldensfähig ist. Kinder unter 7 Jahren sind dabei immer verschuldensunfähig, sodass sie nicht belangt werden können. Bis zur Volljährigkeit kommt es darauf an, ob das Kind bei der Begehung der schädigenden Handlung bereits reif genug ist, um zu erkennen, dass seine Handlung Unrecht ist. Die Richter am LG Ravensburg waren der Meinung, dass auch ein zwölfjähriger bereits die nötige Einsichtsfähigkeit hat, um die Bedeutung der FIS-Regeln zu erkennen. Der Bundesgerichtshof ist sogar der Meinung, dass Kinder von 9 Jahren dazu reif genug sind (Bundesgerichtshof, Az.: VI ZR 182/85).

Haftung der Eltern bei fehlender Beaufsichtigung

Die Eltern selbst können aber auch in Anspruch genommen werden, wenn sie ihre Aufsichtspflicht über das Kind verletzen. Das regelt § 823 BGB. Dann haben die Eltern vollumfänglich für den Schaden einzustehen.