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Was ist eine Zugewinngemeinschaft?

Heiraten zwei Partner in Deutschland, ohne einen Ehevertrag zu schließen, treten sie kraft Gesetzes automatisch in eine sogenannte Zugewinngemeinschaft zueinander. Diese Zugewinngemeinschaft ist in den §§ 1363 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ausführlich geregelt. Die wichtigsten Charakteristika einer Zugewinngemeinschaft werden im folgenden erläutert:

Beide Eheleute bleiben jeweils im Alleineigentum der Sachen, die sie mit in die Ehe gebracht haben und sind auch Alleineigentümer der Sachen, die sie während der Ehe erwerben, § 1363 Abs. 2 BGB (Ausnahmen gelten für gemeinsam angeschaffte Sachen, bei denen beide Ehepartner Miteigentümer werden). Somit ergibt sich, dass jeder Ehepartner sein Vermögen alleine verwaltet und dabei nur an gewisse Verfügungsbeschränkungen über dieses Vermögen gebunden ist, die in den §§ 1364 ff. BGB geregelt sind (so darf zum Beispiel über das Vermögen „im Ganzen“ nur mit Einwilligung des Ehepartners verfügt werden).

Kommt es allerdings zur Aufhebung der Ehe durch Scheidung, findet gemäß § 1372 BGB BGB ein sogenannter Zugewinnausgleich nach den Regelungen der §§ 1373 bis 1390 BGB statt. Bei diesem Verfahren werden die jeweiligen Vermögen der Ehepartner zum Zeitpunkt der standesamtlichen Eheschließung und zum Zeitpunkt der Zustellung der Scheidungsantrags verglichen. Die jeweiligen Zugewinne der Ehepartner werden gesondert betrachtet und verglichen. Die sich dabei ergebende Differenzsumme wird halbiert und der Ehepartner mit dem geringeren Zugewinn erhält die Hälfte der Differenz als Ausgleich.
Bestimmte Sonderregelungen bestehen bei diesem Verfahren hinsichtlich von Erbschaften und Schenkungen, die dem Anfangsvermögen zugeschlagen werden.
Neuerdings werden auch voreheliche Schulden dem Anfangsvermögen zugeschlagen, um den eventuellen Ausgleich dieser Schulden bei einem Zugewinnausgleichsverfahren berücksichtigen zu können.

Keine Auswirkung hat eine Zugewinngemeinschaft auf die Schulden des jeweils anderen Ehepartners. Für diese haftet jeweils nur der betroffene Ehepartner, es sei denn, die Schulden rühren aus einem gemeinsam oder zur Deckung des Lebensunterhalts geschlossenen Vertrages her.