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Muss Handwerker über drohende Mehrkosten informieren? Welche Rechte habe ich bei Mehrkosten?

Ein häufiges Problem bei Handwerkerleistungen: es wurde ein Kostenvoranschlag erstellt, der Handwerker stößt bei der Ausführung allerdings auf Schwierigkeiten und das ganze Projekt droht, finanziell aus dem Ruder zu laufen. Hier trifft man häufig auf verbreitete juristische Halbwahrheiten, wie dass bei einer Überschreitung des Voranschlags die Werkleistung gar nicht bezahlt werden müsse oder ähnliches.

Korrekterweise ist zunächst zwischen der gewählten Abrechnungsmethode zu unterscheiden: bei einer so genannten Festverpreisung wird ein Festpreis vereinbart, der alle zu erbringenden Leistungen abdeckt, der Endpreis also von vornherein feststeht. Der Handwerker kann dann lediglich nachverhandeln, sollten zusätzliche Probleme auftreten und die Ausführungen teurer werden. Auf der anderen Seite steht der Einheitspreisvertrag: hier wird jede einzelne Leistung abgerechnet. Eine Überschreitung des Kostenvoranschlags ist hier möglich. Ist dies der Fall, kann der Besteller jedoch nicht einfach gar nichts bezahlen. Zunächst ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) vorgesehen, dass der Werkunternehmer den Besteller über etwaige Mehrkosten informieren muss. Diesem steht sodann bei einer wesentlichen Überschreitung ein Sonderkündigungsrecht zu. Eine solche „wesentliche Überschreitung“ ist wohl bei Mehrkosten von 10 bis 20 % der ursprünglich geschätzten Kosten anzunehmen. Wird ein solches Kündigungsrecht dann ausgeübt, müssen die bisher erbrachten Leistungen gleichwohl vergütet werden.

Schwieriger ist die Frage zu beurteilen, wie vorzugehen ist, wenn der Werkunternehmer eventuelle Mehrkosten verschweigt. Die fehlende Information stellt eine Verletzung einer vertraglichen Nebenpflicht dar, die bei vorliegendem Verschulden des Handwerkers einen Schadensersatzanspruch des Kunden begründet. Allerdings ist hier wohl teilweise fraglich, ob tatsächlich ein Schaden durch die mangelnde Kommunikation eingetreten ist. Bleiben die Kosten im Rahmen des Ortsüblichen oder darunter und sind die zusätzlichen Arbeiten tatsächlich notwendig und müssen unbedingt ausgeführt werden, um einen reibungslosen Fortgang des Projekts zu garantieren, ist ein Schaden und damit ein Anspruch auf Ersatz wohl zu verneinen.